Deutschland an der Spitze des Armutsrisikos

Veröffentlicht auf von inge.hannemann

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Pressemitteilung Eurostat vom 09.01.2012

 

Deutschland an der Spitze des Armutsrisikos 

In Deutschland gelten 70 Prozent der Erwerbslosen als armutsgefährdet. Das geht aus Angaben der europäischen Statistikbehörde Eurostat hervor. Liegt der EU-Durchschnitt bei 45 Prozent, liegt Deutschland damit an der Spitze. Wer weniger als 60 Prozent des mittleren nationalen Einkommens zur Verfügung hat, gilt als armutsgefährdet. Diese Grenze lag zuletzt für Singles bei 940 Euro im Monat. Ein alleinstehender Hartz-4-Empfänger erhielt im Schnitt knapp 570 Euro im Monat – inklusive Wohngeld. Damit lag er weit unter der Armutsschwelle. 

Deutschland ist Europameister 

Frankfurter Rundschau: „Deutschland ist Europameister, wenn es um Armut unter Arbeitslosen geht“, sagt Eric Seils, Forscher bei der Hans-Böckler-Stiftung. Zwei Gründe seien dafür ausschlaggebend: die Leistungen für die Jobsuchenden sind relativ niedrig. So seien die Leistungen in Dänemark (1065 Euro plus Miete im Monat) deutlich höher. Jobsuchende haben in Deutschland nur einen relativen kurzen Anspruch auf Arbeitslosengeld I, so Seils. 

Ein Arbeitsloser in Deutschland hat im Schnitt einen Anspruch auf 52 Wochen Arbeitslosengeld – in Dänemark sind es 208 Wochen. Frankreich zahlt 104 Wochen und Spanien 103 Wochen. Nur in Österreich ist der Bezug von Arbeitslosengeld noch kürzer (20 Wochen). Allerdings erhalten die Arbeitslosen anschließend ein sogenanntes Notstandsgeld. Dieses orientiert sich an dem vormaligen Einkommen.

Die Daten von Eurostat wurden 2010 erhoben und beziehen sich auf das Vorjahr. Neue Zahlen folgen zum Herbst, erklärt das Statistische Bundesamt.

Die Suche nach dem Warum 

Lässt sich einwenden, dass die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland in den letzten Jahren gesunken ist, kann gleichzeitig festgestellt werden, dass die verbliebenen Jobsuchenden relativ oft von Armut bedroht sind. Viele sind unqualifiziert und schon lange arbeitslos. 

Der Forscher Seils plädiert für einen längeren Bezug von Arbeitslosengeld. Unterstützung erhält Seils vom Verteilungsforscher Markus Grabka vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW): „In Deutschland sind immer mehr Menschen prekär beschäftigt: Die Jobs sind befristet und gering entlohnt. Wer dann arbeitslos wird, bekommt oft nur geringe Leistungen“.

Die Politik solle hier mit einem „moderaten Mindestlohn“ und der gleichen Bezahlung von Leiharbeitern und Stammbeschäftigten gegensteuern. 

Weitere Informationen zur Unterstützung in verschiedenen europäischen Ländern finden sich hier

 

 

Quelle: Eurostat; Euromarches

 

 

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