Kommentar: Siepe übernimmt Jobcenter

Veröffentlicht auf von inge.hannemann

Kommentar zum Artikel vom Hamburger Abendblatt "Siepe übernimmt Jobcenter" vom 25. Januar 2012

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Es war das Jahr 2008, als unser damaliger Arbeitsminister Olaf Scholz stolz verkündete, dass jeder junge Mensch einen Anspruch auf den nachträglichen Erwerb des Hauptschulabschlusses habe. Nachträglich im Sinne auf die Vorbereitung eines Schulabschlusses.

Es ist das Jahr 2012, indem die Jobcenter in Hamburg unbemerkt verkünden, dass alle Vorbereitungsmaßnahmen für Jugendliche unter 25 für den Erwerb des Hauptschulabschlusses gestrichen sind.

Leise rieselt die Streichung in die Jobcenter. Leise rieselt die Aufforderung an die Arbeitsvermittler, arbeitslose Jugendliche unter 25 auf Biegen und Brechen in eine sozialversicherungspflichtige Arbeit zu packen.

Zukünftige Fachkräfte ohne Schul- und Berufsausbildung. Schließlich können diese doch an einer Abendschule den Abschluss nach holen. Schließlich können genau diese Betroffenen am Tag chillen oder mit viel Glück einer Hilfstätigkeit nachgehen und aus dem Ärmel geschüttelt, die verpasste Schulzeit aufholen.

Das Wettschwimmen beginnt. Ein Schwimmen, um das Nichtwissen und Kennen von Disziplin, Lernenkönnen und Ausdauer. Bekanntlich hilft ja oftmals der Wurf ins kalte Wasser. Nur dumm, wenn der Geworfene Nichtschwimmer ist. Das Ertrinken naht – aber bald gibt es ja die Jugend-Berufs-Agentur. Und 7 Monate den Kopf über das Wasser zu halten, das wird ja wohl auch ein junger Mensch unter 25 Jahren können. Zumindest ist das der Nachweis für einen Kampfesgeist.

In diesem Sinne: Major e longinquo reverentia – aus der Ferne besehn ist alles schön. 

 

Quelle: Hamburger Abendblatt vom 25. Januar 2012; Bild: Flickr

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