Morbus Bechterew

Veröffentlicht auf von inge.hannemann

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Der Morbus Bechterew (MB) gehört zu den schweren Formen aus dem Kreis der entzündlichen Rheumaerkrankungen. Rheumaist die Volkskrankheit Nummer 1. Dies geht aus der Tatsache hervor, dass über 50% der Bevölkerung ein oder mehrere Male im Leben an irgendeiner Form des Rheumatismus erkranken. Davon sind 15-20% aller Menschen chronische Rheumapatienten. Und ein Zehntel davon erkrankt schwer.

 

Die drei Grundarten von Rheumaerkrankungen

 

Die Unterteilung erfolgt in drei Kategorien:

 

  • Der entzündliche,
  • Der degenerative,
  • Der Weichteilrheumatismus

 

Die am meisten vertretene entzündliche Rheumaerkrankung ist die chronische Polyarthritis oder rheumatoide Arthritis genannt. An zweiter Stelle steht der Morbus Bechterew, auch Spondylitis ankylosans. Diese Erkrankung soll deutlicher dargestellt werden, da sie gerne unterschätzt wird. Leider kann es passieren, dass Menschen mit chronischen Rückenschmerzen als Simulanten abgestempelt werden, obwohl ein bekannter oder auch häufig noch ein unbekannter Morbus Bechterew die Ursache ist.

 

Die Knie schmerzen

 

Der Morbus Bechterew ist eine chronische-rheumatische Erkrankung, welche zu Beginn die Knie befällt. Oftmals kann dies bereits im Jugendalter beobachtet werden. Eine Änderung ist im Röntgenbild nicht zu erkennen. Es folgen Physiotherapie und elektromagnetische Behandlungen. Jahre können vergehen, die Knieschmerzen kommen und gehen, bis plötzlich Schmerzen im Kreuzbein-Darmbein-Gelenk (Iliosakralgelenk, kurz ISG) auftreten. Diese sitzen tief am unteren Ende der Wirbelsäule. Die Schmerzen in den Knien, im ISG und eine auftretende Augenentzündung der Iris sind häufige Frühsymptome des Morbus Bechterews.

 

Im Übrigen kommt der Name, wie so viele in der Medizin, vom russischen Entdecker und Arzt Wladimir von Bechterew.

 

Ein schleichender Verlauf ist typisch

 

Morbus Bechterew beginnt oftmals zwischen dem 18. und dem 30. Lebensjahr. In der Bevölkerung sind 0,5% bis 1% davon betroffen. Aufgrund dessen, dass der Verlauf zum Teil sehr schleichend ist und die Änderungen an den betroffenen Gelenken erst sehr spät erkannt werden, kann die Anzahl der Erkrankten nur grob geschätzt werden. Männer haben den MB häufiger als Frauen. Das Verhältnis beträgt 2:1.

 

Nachdem die Entzündung das Iliosakralgelenk befallen hat, neigt sie dazu, die Wirbelsäule aufzusteigen. Das heißt, die Wirbelsäule beginnt sich im Lendenwirbelbereich zu entzünden und zu versteifen. Die Entzündung greift dabei den Knorpel und die Knochen an. Es kommt zu einer, für den MB typischen Tendenz zur Knochenneubildung, Verknöcherung und einer darauf folgenden Versteifung.

 

Die frühzeitige Gegensteuerung als wichtiges Instrument

 

Spätestens mit Beginn der Entzündung im ISG sollte eine frühzeitige Gegensteuerung einsetzen. Das heißt Physiotherapie, Massagen und dosierte Bewegung. Die dosierte Bewegung kann schwimmen, Rad fahren und Krankengymnastik in Gruppen sein. Gerne wird hier von „Bechtiballet“ gesprochen. Es ist eine auf die Krankheit ausgerichtete Gymnastik.

 

Das Blutbild ist anfänglich meist normal. Entzündungswerte wie der CRPoder die Blutsenkung befinden sich im normalen Rahmen. Rheumafaktorenwerte sind zumeist negativ. So können Jahre vergehen, bis der MB erkannt wird. Wertvolle Jahre, in denen sinnvolle Behandlungen und Therapien eingesetzt werden können.

 

Die Frühsymptome des Morbus Bechterew

 

Sogenannte Frühsymptome können sein:

 

  • Wechselnde Schmerzen am Brustbein, im Nacken, in den Knien, an den Rippen, am Sitzbein und an den Fersen (der sogenannte Achillesschmerz)
  • Ischiasähnliche Schmerzen
  • ein nächtlicher Ruheschmerz im Kreuz, der sich verbessert, wenn aufgestanden und ein wenig gelaufen wird
  • Morgendliche Steifigkeit in der Wirbelsäule
  • Augenentzündung der Iris
  • Müdigkeit
  • Arbeitsunlust
  • Gewichtsverlust
  • Depressive Verstimmung

 

Gesicherte Diagnose durch Röntgen- oder CT-Aufnahmen

 

Die sichere Diagnose kann nur mittels Röntgen-, CT- oder MRT-Aufnahmen erfolgen. Nur dort sind die Veränderungen an den Gelenken erkennbar. Zuvor wird die Krankengeschichte aufgenommen. Bei Hinweisen auf die genannten Frühsymptome, bei Fällen von MB in der Familie und stechenden Schmerzen in der Wirbelsäule verdichtet sich die Vermutung. Oftmals kann der Arzt schon eine verminderte Beweglichkeit oder Versteifung des Rückens im Lenden-, Brust- oder Halswirbelbereich feststellen. Je weiter die Entzündung fortgeschritten ist, desto mehr Gelenke versteifen. Für den Patienten bedeutet dies, dass er in der Beweglichkeit eingeschränkt ist. Ein Bücken nach vorne oder ein Strecken des Halses nach hinten ist oft nicht mehr möglich. Ein Rundrücken, ein nach vorne gebeugter Rücken entsteht.

 

Der Verlauf erfolgt in Schüben

 

Die Erkrankung verläuft zumeist in Schüben. Bei einem schweren Verlauf ist der Betroffene oftmals nach 5 bis 10 Jahren im Bereich der Wirbelsäule und des Brustbeines versteift. Die Atmung fällt schwer. Diese bösartigen Fälle sind jedoch zum Glück recht selten. Nach mehreren Jahren des Verlaufs kann festgestellt werden, dass weitere Gelenke außerhalb der Wirbelsäule betroffen sind. Das können die Hände, Füße, das Schultergelenk und das Hüftgelenk sein. Man sagt, dass bei Frauen der Verlauf zumeist milder ist. Zu beobachten ist jedoch, dass Frauen einen anderen Verlauf haben. Die Erkrankung beginnt bei ihnen mit dem ISG oder den Knien, wechselt dann gerne zu den anderen Gelenken hinüber. Es wird von einem Morbus Bechterew mit peripherer Gelenkbeteiligung gesprochen.

 

Das Einsetzen von Medikamenten beim Morbus Bechterew

 

Die Behandlung kann neben den körperlich anzuwendenden Therapien mit Medikamenten erfolgen. Ziel ist die Schmerzverringerung bei einem akuten Schub und damit die Steigerung der Beweglichkeit. Antirheumatika, wie die Schmerzmittel Ibuprofen oder Diclofenac sollen dabei unterstützend wirken. MB-Betroffene müssen diese oft jahrelang einnehmen, was wiederum zahlreiche Nebenwirkungen mit sich bringen kann (chronische Magenschleimhautentzündung). Neuere Medikamente wie die TNF-Blocker sind noch zum Teil in der Testung. Gerade diese helfen oftmals, wenn alles andere versagt hat. TNF-Blocker sind Remicade, Humira und Simponi.

 

Zuvor zählen Cortison, Methrotrexat (MTX), Goldpräparate und Azulfildine dazu.

 

Positiv ist zu erwähnen, dass der MB auch für Jahre Ruhe geben kann. Eine Remission kann stattfinden. Ebenso plötzlich kann er jedoch auch wieder auftreten.

 

Bechtis-brauchen-Bewegung

 

Ein Grundsatz in der Behandlung lautet: BBB – Bechtis brauchen Bewegung. Dadurch kann einer vorzeitigen Bewegungseinschränkung entgegengewirkt werden.

 

HLA-B27

 

Bis heute ist die Ursache des MB unbekannt. Angenommen wird, dass bestimmte Erbfaktoren, wie das Gen HLA-B27 dafür verantwortlich ist. Festzustellen ist, dass bei MB-Patienten dieses Gen positiv ist. Das heißt aber nicht, dass die Krankheit ausbrechen muss. Viele Menschen haben einen positiven HLA-B27 Faktor, ohne dass sie an dieser Erkrankung leiden. Umgekehrt sind auch viele Fälle bekannt, in denen der Faktor negativ ist und der MB vorhanden ist. Bekannt ist jedoch, dass sich der MB gerne vererbt. Insbesondere wenn beide Elternteile daran erkrankt sind.

 

Der Morbus Bechterew kann eine anstrengende und sehr schmerzhafte Erkrankung sein (sie muss es aber nicht zwangsläufig) und eine ständige Anpassung vonseiten des Betroffenen muss erfolgen.

 

Bitte beachten Sie, dass ein Suite101-Artikel generell fachlichen Rat - zum Beispiel durch einen Arzt - nicht ersetzen kann.

 

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