Small Talk - die Kunst des Redens

Veröffentlicht auf von inge.hannemann

 

Telefon_Marketing.jpg

 

„Sie haben sich einen Ferrari gekauft? Na ja, wem das Geld egal ist ...“

„Sie haben ein schönes Top an, jedoch würde ich meine Pölsterchen nicht mit einem derart aufreizenden, bauchfreien Shirt zur Schau stellen.“

Das ist Small Talk in seiner schönsten Form und in einer Art, welche man eher nicht verwenden sollte. Zum Warum möchte ich später kommen.

Was ist Small Talk überhaupt? Bedeutet Small Talk ich rede über alles, Hauptsache ich rede? Ich komme in ein Gespräch hinein, um mich nicht zu langweilen? Ich beginne ein Gespräch, um mich bekannt zu machen?

 

Small Talk als eine Gesprächsform

Small Talk ist eine Gesprächsform, um in eine zunächst unverbindliche Plauderei zu kommen. Er kann ein Gemeinschaftsgefühl erschaffen oder einfach nur die Atmosphäre auflockern. Wir können damit die Distanz zu anderen überwinden. Wir „beschnuppern“ einander und können damit die Grundlage für weitere Gespräche oder Kontakte herstellen.

Small Talk ist absichtsfrei und vor allem beziehungsorientiert. „Wie geht es Ihrer Familie?“ „Hat Ihr Kind einen Ausbildungsplatz erhalten?“ Bei dieser Art der Fragestellung wird nicht das Ziel verfolgt, den anderen zu einer bestimmten Handlung zu bewegen. Beherrscht man Small Talk, so ist dieser ungezwungen und relativ offen für unterschiedliche Menschen und Themen. Man plaudert eben unbeschwert und locker.

Oft ist zu hören, dass Small Talk oberflächlich sei. Es ist kein „richtiges“ Gespräch, und damit sinnlos. Ein Vorwurf, der ins Leere geht. Stundenlange Arbeitsgespräche sind anstrengend und Entspannung bei etwas Oberflächlichkeit tut gut. Ein täglicher Plausch bietet durchaus geistige Anregungen.

Small Talk als eine Kunst

Wer die Kunst von Small Talk beherrscht, „kann gut mit anderen Menschen“. Ein Kontakt mit fremden Menschen ist auch in ungewohnten Situationen möglich. Er erweist sich als sozial kompetent. Allerdings befähigt Small Talk einen Menschen nicht unbedingt zur guten Mitarbeiterführung oder einem allgemeinen sozialen Menschen.

Small Talk kann ...

  • Eine schwierige Gesprächssituation entkrampfen

  • Eine persönliche Beziehung zu Menschen aufbauen

  • Ein Türöffner für neue, ungewohnte Situationen sein

  • Ein Türöffner für die Karriere sein

  • Eine gute Gelegenheit sein, Kontakte zu Menschen aufzubauen, die man braucht, (Networking)

  • Eine lockere und freundliche Atmosphäre aufbauen

  • Spannungen abbauen

  • Ein positives Bild von sich selbst erzeugen

  • Der Unterhaltung dienen und damit Entspannung schaffen

Eine Studie des amerikanischen Centers für Workforce Development hat ergeben, dass Mitarbeiter siebzig Prozent ihres Wissen über ihren Job und ihrer Firma durch lockeres Geplauder mit den Kollegen erfahren. Somit kann Small Talk auch ein Schlüsselfaktor für den beruflichen Erfolg sein.

 

Wann sollte Small Talk und wie nicht geführt werden

Gut, nun wissen wir mehr oder weniger, was Small Talk ist oder sein kann. Kommen wir zu Situationen, wie Small Talk eher nicht geführt werden sollte. Gehen wir nochmals zu den Eingangssätzen zurück.

Bei den Beispielen ist persönliche Ironie im Spiel. Ironie kann durchaus was Schönes sein, solange sie nicht persönlich wird. Nicht immer wird dieses berücksichtigt. Damit kann keine lockere und entspannte Stimmung aufkommen. Sie als Person stellen sich damit nicht gerade in ein positives Licht. Das Ergebnis wird sein, dass sich die Gesprächspartner liebend gerne von Ihnen abwenden.

Selbstverständlich kann es vorkommen, dass Pannen oder peinliche Momente beim Small Talk entstehen. Der Tritt ins Fettnäpfchen war erfolgreich.

Erste Kontaktaufnahme mit einer neuen Kollegin: "Heute sehen Sie sehr weiblich mit ihrer Bluse aus“.

Kollegin etwas verwirrt, nickt vielleicht zunächst, freut sich und denkt sich hinterher: „Sehe ich sonst nie weiblich aus?“ „Sehe ich aus wie ein Mann?“

Einladung zu einem Geschäftsessen beim Kollegen: „Vielen Dank für Ihre Einladung, darüber habe ich mich sehr gefreut.“ Sie scannen Ihre Gastgeberin: „Solch ein ähnlich schickes Kleid hatte meine Frau bei unserer Hochzeit auch an.“ Der Gastgeberin ist bekannt, dass Sie seit mehr als zwanzig Jahren verheiratet sind.

 

Lösungen

Wie kommen Sie hier wieder heraus, ohne weiter ihr Gesicht zu verlieren? Entweder Sie ziehen wortlos weiter, und damit sind Sie erstmal aus dem Fokus draussen. Oder sie sorgen für Entspannung, indem Sie etwas Positives oder Aufmunterndes ergänzen – sofern Sie es zeitgleich Ihr Fettnäpfchen bemerkt haben.

„Und das sage ich als Mann, der nicht immer alles gleich sieht.“

„Und das Schöne ist ja, dass die vergangene Mode wieder kommt, und wir uns so in alten Zeiten zurückversetzt fühlen können.“ „Der Retro-Look lebe.“ „Heute wie damals ist es einfach schöne Mode.“

 

Die Sache mit der Mundart

Sie kommen in eine vorhandene Gruppe, sei es geschäftlich oder privat und sprechen schwäbisch. Schnell stellen Sie fest, dass die Mehrheit der Gruppenmitglieder aus Norddeutschland sind. Damit man Sie überhaupt versteht, versuchen Sie hochdeutsch zu reden. Neben dem Verhaspeln im Satzbau sprechen Sie viele Wörter falsch aus. Bereits Ihre Begrüßung fällt falsch aus. So meinen Sie dass ein „guten Tag“ sich zu „Moin, moin“ verwandelt. Dieses kann je nach Region ein „Moin“ zuviel sein.

Fazit wird sein, dass man Sie entweder noch schlechter versteht oder Sie sich blamieren. Bleiben Sie bei Ihrem Dialekt. Nur so wirken Sie authentisch. Das Echte, Authentische überzeugt. Das Gekünstelte kann lächerlich wirken.

Zeigen Sie jedoch Respekt, indem Sie vorher sagen: „Sollte mich jemand nicht verstehen, so bitte ich um ein Handzeichen. Zusammen können wir das dann ins Deutsche übersetzen.“ Der Lacher ist auf Ihrer Seite, und damit auch die Leute.

 

Übungsbeispiele

Wie kann Small Talk geübt werden? Am besten tagtäglich bei alltäglichen Situationen. Beim Kopierer mit einem neuen Kollegen, im Fahrstuhl mit dem Leiter der Logistikabteilung, auf einer Party, bei einem Konzert bzw. hier noch vor dem Konzert, auf einer Bank neben einem Fremden oder auch beim Warten in einer langen Schlange bei der Kasse.

Zu Beginn kann es sein, dass es nicht sofort glückt. Je mehr Übung Sie haben, umso leichter wird es für Sie. Entwickeln Sie positive Gedanken:

  • „Niemand erwartet, dass ich brillant bin, sondern dass ich nett bin.“

  • „Sicher gibt es Leute, die sich freuen, wenn ich sie anspreche.“

  • „Es geht um Small Talk, niemand erwartet von mir einen Vortrag.“

  • „Wer freundlich und höflich ist, blamiert sich nicht.“

  • „Die Leute schauen mich an, weil sie sich für das, was ich sage, interessiere.“

 

Zu guter Letzt, die Tabu-Themen:

  • Politische Überzeugungen

  • Religion

  • Katastrophen

  • Intimes oder Sex

  • Familiäre Probleme

  • Psychische Probleme

  • Krankheiten

  • Vermögensverhältnisse

  • Oder andere zu negative/zu persönliche Themen

 

Guter Small Talk kostet nichts. Sie können damit nur gewinnen!

Veröffentlicht in Personalwesen - Unternehmen

Kommentiere diesen Post